Ehrfahrungsbericht eines Begleiters

Über die Begleitung eines 4-jährigen Mädchens und deren Familie zu berichten ist eigentlich mit ein paar Sätzen nicht zu machen. Trotzdem möchte ich – wenn auch nur mit einem kurzen Bericht – gerne an Malin und die Begleitung von ihr und ihrer Familie denken.

Malin wäre am 20. Februar diesen Jahres sechs Jahre alt geworden. Am 12. Juli 2001 ist sie an ihrer Erkrankung, einem Hirntumor, im Alter von vier Jahren gestorben. Meine Begleitung von Malin und deren Familie begann am 07. März 2001 mit einem Anruf aus dem Hospizbüro. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könne, die 4-jährige Malin und die Eltern, sowie die 13-jährige Schwester und den 2-jährigen und den 6-Wochen-alten Bruder zu begleiten. Was für eine Herausforderung! Aufregung machte sich bei mir breit und doch war ich mir relativ schnell bewusst, dass ich mich dieser Herausforderung stellen wollte.

So begann meine erste Begleitung vor fast genau zwei Jahren. Viele Bilder tauchen auf, die sich bei mir eingeprägt haben und die diese Begleitung ausmachten. Ein besonderes Bild, welches für mich sinnbildlich für die Zeit meiner Begleitung steht, möchte ich an dieser Stelle noch einmal aufgreifen: Als ich kurz vor Malins erstem Todestag an ihrem Grab stand, schaute ich in einen faszinierenden Himmel, der von dunklen Wolken geprägt war, durch welche aber ein deutlich erkennbares weiß erhellendes Sonnenlicht durchschimmerte. Ein weißer Schmetterling flog an mir vorbei und erhob seinen Flügelschlag dem Licht entgegen.

Dieses Bild möchte ich auf meine Begleitung von Malin und ihrer Familie übertragen. Ja, es gab sie, diese für die Familie oftmals sehr dunklen, extrem belastenden, verzweifelnden und nach dem Sinn fragenden Momente. Aber es gab auch diese lichtvollen, fröhlichen und ganz bewusst „den Augenblick wahrnehmenden“ Momente.

An vielen dieser Momente durfte ich dank der Offenheit und dem mir entgegengebrachten Vertrauen der Familie teilhaben und sie haben so ebenfalls mein Leben mitgeprägt. Mir wurde durch diese Begleitung ein für mich sehr wesentliches Geschenk gemacht. Das bewusste Wahrnehmen von Augenblicken, welche keinen Raum- und Zeitdimensionen unterliegen.

A.Sch.